Waffenstillstand in der Ukraine würde Bedrohung für das Baltikum verschärfen – Financial Times

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Ein Waffenstillstand in der Ukraine würde derzeit keinen Frieden bringen, sondern die Gefahr für die baltischen Staaten und die nordöstliche NATO-Flanke deutlich erhöhen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf die Verteidigungsminister Estlands und Litauens.

Sollte es Russland gelingen, eine vorübergehende Kampfpause zu erzwingen, werde der Kreml die Zeit nutzen, um seine Streitkräfte wieder aufzurüsten, militärisches Potenzial auszubauen und seine Präsenz an der NATO-Grenze — insbesondere gegenüber Litauen, Lettland und Estland — zu verstärken.

„Russland hat sein Ziel, die Ukraine als souveränen Staat zu vernichten, nicht aufgegeben. Wenn man dem Regime Zeit zur Neuformierung gibt, wird es nicht nur gegen Kiew, sondern auch gegen Europa weiter vorgehen“, so die baltischen Minister.

Diese Warnung unterstreicht erneut: Russlands Aggression beschränkt sich nicht auf die Ukraine. Jede „Einfrierung“ des Konflikts — wie einst in Georgien 2008 — schafft eine trügerische Ruhe, die in Wahrheit nur die nächste Eskalation vorbereitet. Moskau verfolgt eine Langzeitstrategie und nutzt jede Atempause taktisch aus.

Der Fall des Kreuzers „Moskwa“ offenbart strategische Spannungen

Gleichzeitig veröffentlichte The New York Times neue Informationen zum Versenken des russischen Flaggschiffs Moskwa im April 2022 — ein Angriff, der laut Bericht die US-Regierung verärgerte. Amerikanische Beamte sollen frustriert gewesen sein, dass die Ukraine sie im Vorfeld nicht informiert habe.

Während einer routinemäßigen gemeinsamen Aufklärungsmission sei der Kreuzer plötzlich auf den Radarschirmen aufgetaucht.

„Oh, das ist die Moskwa“, bemerkten erstaunte US-Offiziere. Die ukrainische Antwort lautete laut NYT: „Oh mein Gott. Vielen Dank. Auf Wiedersehen.“

Der erfolgreiche Angriff war ein herber Schlag für Russland — sowohl symbolisch als auch militärisch. Er zeigte das operative Können der ukrainischen Streitkräfte und die Verwundbarkeit der russischen Marine. Gleichzeitig offenbarte er aber auch Differenzen in der strategischen Abstimmung zwischen Kiew und Washington zu Beginn der Invasion.

Laut NYT war die Biden-Regierung nicht bereit, der Ukraine die Erlaubnis zu erteilen, ein so symbolträchtiges Ziel anzugreifen. Zudem sei man überrascht gewesen, dass die Ukraine über Raketen verfügte, die das Schiff erreichen konnten.

Aus der Ukraine heißt es jedoch: Eine Genehmigung durch die USA sei weder erforderlich noch erfolgt. Marine-Sprecher Dmytro Pletenchuk erklärte:

„Natürlich haben wir den Angriff mit unserer Führung abgestimmt — mit der ukrainischen Führung. Die Behauptung, dass wir Koordinaten übermittelt oder eine Erlaubnis gebraucht hätten, ist falsch“, stellte er klar.

Ukrainische Entschlossenheit trifft auf westliche Zurückhaltung

Dieser Vorfall macht deutlich: Die Ukraine handelt entschlossen und schnell, während der Westen oft zögert. Doch genau dieses Zögern — die sogenannten roten Linien — spielt Russland in die Hände.

Moskau setzt seinen Krieg fort, passt seine Taktiken an und testet die Reaktionen des Westens. Jeder Waffenstillstand gibt Russland Zeit zur Neuformierung. Wer wirklich Frieden will, muss der Ukraine zum Sieg verhelfen — nicht zu einem neuen „Minsk“.